Otto v. Guerickes Windbüchse nachgebaut

Wolfgang Menzel, Gymnasium Korschenbroich


Die Anregung zum Nachbau der Windbüchse von Otto v. Guericke erhielt ich im Sommer 1998, als das Deutsche Museum Bonn in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke Gesellschaft Magdeburg eine Reihe von Versuchen auf dem Bonner Marktplatz ausführte.

Neben den bekannten Versuchen mit den originalen Magdeburger Halbkugeln wurde auch die Windbüchse gezeigt. Sie sollte ebenfalls die Wirkung des Luftdruckes demonstrieren.

 

 

Es handelt sich dabei um ein etwa 3m langes Metallrohr, das vorne und hinten mit sauber geschliffenen Endstutzen versehen ist. Über ein angesetztes Röhrchen kann die Luft mit einer Vakuumpumpe abgesaugt werden. Vor Versuchsbeginn schiebt man einen Holz- oder Kunststoffbolzen in das Rohr und verschließt dann das Rohr vorne und hinten mit einem Stück Pappe oder Kunststoff. Danach pumpt man die Luft aus dem Rohr. Reißt man jetzt den hinteren Verschluss weg, so schießt die eindringende Luft den Bolzen nach vorne. Er durchschlägt den vorderen Verschluss und fliegt noch weit aus dem Rohr heraus.

Dieser Versuch auf dem Bonner Marktplatz regte mich an, Guerickes Windbüchse für das Gymnasium Korschenbroich nachbauen zu lassen. Nach langem Suchen fand sich schließlich ein Schüler (Christian Overhagen), der das Gerät mit seinem Vater herstellen wollte. Beide arbeiteten die Einzelheiten aus und stellten schließlich die Endstutzen des Rohres und den hinteren Verschluss auf der eigenen Drehbank her. Auch wurden 3 verschiedene Bolzen aus Holz, Nylon und Polyurethan auf der Drehbank gedreht. In ersten Tests zeigte sich, dass die Bolzen weit aus dem Rohr herausschossen. Zur besseren Handhabung lagerten wir das 3m-Rohr schließlich auf zwei Böcken und konnten so die Bolzen auch schräg nach oben abschießen.

Die jetzt erfolgende Testphase begeisterte die beteiligten Schüler vollauf. Unser erster Probeschuss ging unerwartet weit. Der Bolzen flog über den ganzen Schulhof und traf schließlich ein parkendes Auto an der Stoßstange. In der Physik-AG bestimmten wir mit Hilfe zweier Lichtschranken die Mündungsgeschwindigkeit der Bolzen zu ca. 40 m/s.

Die größte Schussweite lag bei etwa 120 m !

 

 

Die technischen Daten der Korschenbroicher Windbüchse:

Rohrlänge: 2,91 m, Innendurchmesser 2,6 cm, Wanddicke 2 mm
Material: nahtlos kaltgezogener Präzisionsstahl
Endstutzen aus Messing passgenau gedreht und auf das Stahlrohr aufsteckbar
Ansaugstutzen in das Stahlrohr hart eingelötet
Bolzenlänge ca. 2,5 cm, Durchmesser 2,6 cm
Holzbolzen 19,51 g
weißer Nylon-Bolzen 38,63 g
roter Polyurethanbolzen 28,9 g
Mündungsgeschwindigkeit der Bolzen ca. 40 m/s
größte bisher beobachtete Schussweite ca. 120 m


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